Betonplatten-Werfer aus Hochhaus gefasst

24. Juli 2026

Versuchter Mord in Kiel: Betonplatten-Werfer aus Hochhaus gefasst

Kiel. Nach dem lebensgefährlichen Angriff auf eine Polizeibeamtin in Kiel haben die Ermittler offenbar einen entscheidenden Erfolg erzielt. Ein 21 Jahre alter Bewohner des als „Weißer Riese“ bekannten Hochhauses im Stadtteil Mettenhof steht im Verdacht, ein schweres Betonstück auf einen Streifenwagen geworfen zu haben. Der junge Mann wurde am Freitag, 24. Juli 2026, einem Haftrichter vorgeführt.

Damit könnten die umfangreichen Ermittlungen sowie eine groß angelegte DNA-Reihenuntersuchung in dem Hochhaus zum mutmaßlichen Täter geführt haben. Dennoch gilt der 21-Jährige weiterhin als unschuldig, solange er nicht rechtskräftig verurteilt wurde.

Betonstück durchschlug Scheibe des Streifenwagens

Die Tat ereignete sich in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni 2026 gegen 0.45 Uhr am Kurt-Schumacher-Platz in Kiel-Mettenhof. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde ein rund 10 mal 20 Zentimeter großes Teilstück eines Pflastersteins beziehungsweise einer Gehwegplatte aus einem oberen Stockwerk des Hochhauses geworfen.

Das mehrere Kilogramm schwere Betonstück traf einen vorbeifahrenden Streifenwagen und durchschlug dessen Windschutzscheibe. Anschließend schlug es im Innenraum des Polizeifahrzeugs ein. Eine damals 25 Jahre alte Polizeibeamtin saß auf dem Beifahrersitz und wurde an der Hand sowie am Sprunggelenk verletzt. Ihr 59-jähriger Kollege blieb dagegen unverletzt.

Die Staatsanwaltschaft Kiel stufte den Angriff aufgrund der erheblichen Gefahr als versuchtes Tötungsdelikt ein. Schließlich hätte der gezielte Wurf eines schweren Gegenstands aus großer Höhe für die Insassen des Fahrzeugs tödlich enden können.

DNA-Spur am Pflasterstein entdeckt

Weil zunächst unklar blieb, aus welcher der zahlreichen Wohnungen der Gegenstand geworfen worden war, gestalteten sich die Ermittlungen besonders schwierig. Allerdings konnten Kriminaltechniker an dem sichergestellten Pflasterstein DNA-Spuren sichern.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Kiel ordnete das zuständige Amtsgericht deshalb eine DNA-Reihenuntersuchung an. Mitte Juli rückten zahlreiche Einsatzkräfte zum sogenannten „Weißen Riesen“ aus. Das Gebäude wurde während der umfangreichen Maßnahme gesichert, während Ermittler die Wohnungen aufsuchten und mit den Bewohnern sprachen.

178 Bewohner gaben freiwillig Speichelproben ab

Insgesamt trafen die Einsatzkräfte 189 Personen in dem Hochhaus an. Davon erklärten sich 178 Bewohner freiwillig dazu bereit, eine Speichelprobe abzugeben. Somit beteiligte sich ein großer Teil der angetroffenen Menschen an der Untersuchung.

Die Proben sollten ausschließlich mit der tatrelevanten DNA-Spur auf dem Betonstück verglichen werden. Eine Speicherung für andere Ermittlungsverfahren war nach Angaben der Behörden nicht vorgesehen. Außerdem sollten die Proben nach Abschluss der Untersuchungen vernichtet werden.

21-jähriger Bewohner dem Haftrichter vorgeführt

Nach der Auswertung der Spuren geriet schließlich ein 21 Jahre alter Bewohner des Hochhauses in den Fokus der Mordkommission. Am Freitag wurde der Tatverdächtige einem Haftrichter vorgeführt. Dabei sollte entschieden werden, ob der Mann wegen des dringenden Tatverdachts und eines möglichen Haftgrundes in Untersuchungshaft kommt.

Welche konkreten Ergebnisse zum Tatverdacht führten und ob die am Pflasterstein gefundene DNA eindeutig mit der Probe des 21-Jährigen übereinstimmt, wurde zunächst nicht ausführlich öffentlich mitgeteilt. Aufgrund des laufenden Ermittlungsverfahrens halten sich Polizei und Staatsanwaltschaft mit weiteren Einzelheiten zurück.

Ermittlungen wegen versuchten Mordes dauern an

Ob der Beschuldigte tatsächlich für den folgenschweren Wurf verantwortlich ist, muss nun im weiteren Verfahren geklärt werden. Die Ermittler müssen außerdem rekonstruieren, aus welcher Wohnung oder von welchem Bereich des Hochhauses das Betonstück geworfen wurde. Darüber hinaus dürfte geprüft werden, ob es weitere Zeugen oder zusätzliche Spuren gibt.

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil ein ganzer Wohnkomplex in den Mittelpunkt der Ermittlungen rückte. Gleichzeitig verdeutlicht die Festnahme, wie wichtig kriminaltechnische Spuren bei der Aufklärung schwerer Straftaten sein können.

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