Internationale Fahndung nach mutmaßlichem Kopf der Ransomware-Gruppe REvil
Karlsruhe/Stuttgart. Die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg fahnden international nach Daniil Maksimovich Shchukin. Der russische Staatsangehörige soll eine führende Rolle innerhalb der weltweit agierenden Ransomware-Gruppe GandCrab beziehungsweise REvil gespielt haben. Die Ermittler bitten die Bevölkerung deshalb um Hinweise zu seinem aktuellen Aufenthaltsort.

Nach Angaben der Behörden steht Shchukin im Verdacht, gemeinsam mit weiteren Personen zahlreiche Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Institutionen mit Schadsoftware angegriffen zu haben. Dabei sollen die Täter Computersysteme verschlüsselt und anschließend hohe Lösegeldforderungen gestellt haben.
Internationale Fahndung nach Daniil Maksimovich Shchukin
Die mutmaßliche Tätergruppe soll spätestens seit Anfang 2019 bis mindestens Juli 2021 aktiv gewesen sein. In diesem Zeitraum gehörten GandCrab und die später unter dem Namen REvil bekannte Gruppierung zu den bedeutendsten Ransomware-Netzwerken der Welt.
Die Ermittler gehen davon aus, dass Daniil Maksimovich Shchukin innerhalb der Gruppe eine führende Position einnahm. Er soll gemeinsam mit Anatoly Sergeevitsch Kravchuk und weiteren Beteiligten für zahlreiche digitale Angriffe verantwortlich gewesen sein. Allerdings gilt auch in diesem Verfahren bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
Ransomware verschlüsselt Dateien oder ganze Computersysteme. Dadurch können Unternehmen und Behörden häufig nicht mehr auf wichtige Daten zugreifen. Anschließend verlangen die Angreifer Geld für eine angebliche Entschlüsselung. Gleichzeitig erhöhen viele Täter den Druck, indem sie zuvor kopierte Daten veröffentlichen wollen.
Mehr als 35 Millionen Euro wirtschaftlicher Schaden
Shchukin werden nach Angaben des Bundeskriminalamts deutschlandweit 130 banden- und gewerbsmäßige Erpressungen sowie Computersabotagen vorgeworfen. In 25 Fällen zahlten die betroffenen Unternehmen oder Einrichtungen demnach Lösegeld. Insgesamt sollen dabei rund 1,9 Millionen Euro an die Täter geflossen sein.
Der gesamte wirtschaftliche Schaden liegt laut den Ermittlungsbehörden bei mehr als 35,4 Millionen Euro. Allerdings können die tatsächlichen Folgen von Cyberangriffen noch deutlich höher ausfallen. Neben den Lösegeldforderungen entstehen häufig Kosten für den Ausfall von Computersystemen, die Wiederherstellung von Daten und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen.
Außerdem können gestohlene Informationen langfristig weitere Schäden verursachen. Deshalb raten Sicherheitsbehörden grundsätzlich davon ab, vorschnell auf Forderungen der Täter einzugehen. Betroffene sollten stattdessen umgehend die Polizei einschalten und IT-Fachleute hinzuziehen.
Gesuchter hält sich vermutlich in Russland auf
Daniil Maksimovich Shchukin wurde am 5. Oktober 1994 in Krasnodarskiy in Russland geboren. Er besitzt die russische Staatsangehörigkeit, spricht Russisch und hat nach den veröffentlichten Angaben dunkelblonde Haare sowie blaue Augen.
Darüber hinaus soll er verschiedene Namen und Pseudonyme verwendet haben. Dazu gehören unter anderem „Oneiilk2“, „Oneillk2“, „Oneillk22“, „UNKN“ und „GandCrab“. Die Ermittler vermuten, dass sich der Gesuchte im Ausland und möglicherweise in Russland aufhält. Allerdings schließen sie Reisen in andere Staaten nicht aus.
Die internationale Fahndung erscheint auch auf den Seiten des Bundeskriminalamts. Weitere Einzelheiten veröffentlicht die Polizei Baden-Württemberg.
Polizei bittet um Hinweise zum Aufenthaltsort
Für die Ermittler ist vor allem entscheidend, wo sich Daniil Maksimovich Shchukin derzeit aufhält. Wer den Gesuchten erkannt hat oder Informationen zu seinem Aufenthaltsort geben kann, soll sich deshalb mit dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg in Verbindung setzen.
Hinweise nimmt das Landeskriminalamt telefonisch unter +49 711 54013335 sowie per E-Mail an stuttgart.lka.hinweise@polizei.bwl.de entgegen. Darüber hinaus können sich Hinweisgeber an jede andere Polizeidienststelle wenden.
Personen, die den Gesuchten sehen, sollten ihn nicht selbst ansprechen oder festhalten. Stattdessen sollten sie ihren Standort verlassen und sofort die Polizei verständigen. Aktuelle Meldungen zu internationalen Fahndungen und größeren Cybercrime-Verfahren finden Leser außerdem bei Blaulicht Deutschland sowie auf dem internationalen Nachrichtenportal Police Report Worldwide.
